Der Herr der Fliegen

VON WILLIAM GOLDING 
FÜR DIE BÜHNE EINGERICHTET VON NIGEL WILLIAMS

„Irre!“, ruft Ralph aus. Eine Gruppe Minderjähriger findet sich nach einem Flugzeugabsturz plötzlich auf einer unbewohnten Insel inmitten des Pazifiks wieder. Doch das Gefühl der Freiheit hält nicht lange an. Die Ungewissheit darüber, ob sie gerettet werden, zwingt die Jugendlichen, sich mit der neuen Situation vertraut zu machen. Schnell zeigt sich, dass die Vorstellungen über Gemeinschaft innerhalb der Gruppe gegensätzlicher nicht sein könnten. Während sich Piggy um eine liberale Ordnung innerhalb der Gruppe bemüht, versucht Jack die Gruppe unter ihr Kommando zu bringen. Die Wahl zum Anführer fällt jedoch auf Ralph. Sichtlich gekränkt, lässt Jack keinen Zweifel daran, dass sie Ralph diese Position nicht widerspruchslos überlassen wird. Wann immer sich ihr die Möglichkeit bietet, sorgt sie dafür, dass sich die Konflikte innerhalb der Gruppe verschärfen. Bis sich schließlich zwei feindliche Fraktionen gegenüberstehen, deren Gefolgschaft jeweils einen Teil der Insel für sich beanspruchen. Um ihre Überlegenheit zu demonstrieren, macht die Gruppe um Jack schließlich auch vor blutiger Gewalt nicht Halt.

William Golding stellt in seinem erstmals 1954 veröffentlichten Roman zwei unvereinbare Wahrheiten gegenüber. Am Beispiel der heranwachsenden Jugendlichen zeigt der Autor, wie sich ein totalitäres System etablieren und soziale Bemühungen verdrängen kann. Golding beschreibt jene Gewalt, die aus Interessenskonflikten resultiert und schließlich in extremistische Gesinnungen mündet. Verursacht durch die reale Existenzbedrohung, der die Minderjährigen ausgesetzt sind, wird die ursprüngliche Unschuld der Kinder in ihr Gegenteil verkehrt.